Ich habe hier lange nichts geschrieben. Ich habe die Zuversicht in die Sprache verloren. Vielleicht. Heute war ich im Arsenal Kino. Eigentlich nur, weil mir das Pressefoto zum Film so gut gefallen hat. Offensichtlich lief der Film von Guto Parente und Pedro Diógenes als Teil einer Reihe mit brasilianischen Filmen. Die bildliche Anmutung hat mich an die deutsche Kinderserie Hals über Kopf erinnert, aber natürlich auch an Waters, Fassbinder (Querelle), Schmidt Mitternachtsshow. Alles keine schlechten Referenzen. Die Gefühlsexpressionen der Figuren sind mit denen in Wild at Heart von Lynch zu vergleichen. Die Story und Erzählweise ist eher konventionell. Trotzdem bin ich nicht unglücklich den Film gesehen zu haben, er besetzt einen filmischen Raum, der heute von Verdrängung bedroht ist (so scheint es mir jedenfalls). So wie die Kneipe, in der es in dem Film vielleicht eigentlich geht. Wer Portugiesisch versteht, kann den Film ohne Sprachbarriere hier sehen.
Das kleine feine Zine, es gibt es noch. Meine Zuneigung dafür geht bekanntlich soweit, dass ich mit dem "Makulatur Verlag" seit über zwanzig Jahren Zines publiziere. Aber leider in sehr großen Abständen. Am Freitag den 02.06.2017 ist es aber mal wieder soweit.
In der Galerie Toolbox in der Koloniestraße 120, 13359 Berlin (Wedding) feiern Annabelle Kruschitz, Gäste und ich das Zinerelease von "Instructions From The Desperate Fraction", sowie die kleine Ausstellung dazu, für einen Abend. Und wenn ein kleines Wunder geschieht, dann wird auch noch ein Kind entbunden. Nicht meins. Aber alleine das Zine ist schon die Reise wert. Ich denke die Tage wird auch noch eine Fracebook Veranstaltungsseite erstellt werden. Ich werde dies dann hier nachreichen.
Ich bin nicht nur Musikfan. Nein, viel Schlimmer, ich bin Plattensammler. Davon gibt es dann noch einmal verschiedene Typen. Ich gehöre zu den Schatzsuchern. Und gehöre damit vermutlich zu den irrationalsten Typen unter den Plattensammlern. Aber es macht mir Spaß, mich durch Kisten schmutziger Platten zu graben, immer in der Hoffnung die eine Platte zu finden, von der ich vielleicht noch nicht einmal weiß, dass sie existiert. Momentan ruht dieses Hobby ein bisschen. Aber wenn ich in anderen Städten bin, nutze ich die Gunst der Stunde. In Kassel mag ich besonders das Lost & Found (hat nichts mit dem gleichnamigen Label zu tun). In Kassel habe ich ein paar Tage bei meiner Schwester im Kreise der Familie verbracht. Selbstverständlich bin ich auch für ein paar Stunden in den Plattenläden abgetaucht. Ich war nicht so supergut drauf und es sah auch so aus, als würde es nur ein okayer Einkauf werden. Ein paar Platten die man mitnimmt, weil sie günstig sind, aber die man nicht unbedingt braucht. Gefreut habe ich mich, weil ich von der Endtroducing von Dj Shadow eine Platte in ner Papiertasche gefunden habe. Mit der Platte verbinde ich meine Anfangszeit in Bremen. Von Hilko habe ich mir die Platte auf eine MiniDisc gebrannt und habe wiederholt Fahrradtouren um den Werdersee gemacht, mit Dj Shadow im Ohr. Egal, besser wäre es natürlich gewesen, wenn ich nun vor zwei Tagen beide Platten der Doppel_Lp gefunden hätte. Aber dann wäre sie wohl auch in der Originaltasche gewesen und hätte einiges gekostet. So also für kleines Geld, wenigstens die eine Platte. Beim durchhören habe ich ein nahe liegenden 7" Plattenhaufen umgekrempelt. Mir wäre beinnahe das Herz stehen geblieben, als ich die Single zu Funnel of Love von Wanda Jackson dazwischen gefunden habe. Ich liebe das Lied aber die Single ist selten und bisher hatte ich sie noch nie irgendwo angeboten gesehen. Außer auf Discogs aber da war sie mir zu teuer gewesen. Ich kannte also das Lied schon und trotzdem ist der Blitz eingeschlagen und die Hände wurden zittrig. Gleich als nächstes die Platte aufgelegt. Und..........kurz nach dem Anfang ist sie gesprungen. :-( Mist, dass war ein bummer. Noch einmal von Anfang gespielt und wieder gesprungen. Buhuhu. Für normal erhalten hätte ich bestimmt auch 15€ gezahlt. Aber so war mein Enthusiasmus doch erheblich gebremst. Anderseits konnte ich mich doch selbst dabei beobachten, wie ich mir den Kauf schön geredet habe. Letztlich ist es besser eine geliebte Platte von nicht so guter Qualität zu besitzen, als gar nicht. Und ich hatte noch einmal Glück, an diesem Tag, denn der gute Mann bei L&F hat mir die Single zu meinem restlichen Kauf so mitgegeben. Das ist mir nicht zu ersten Mal passiert. Ich glaube, dass ist auch so eine Standardhandlung von Plattenhändlern. Selber ticken sie ja ähnlich, wie ihre Kundschaft. Sie schmeicheln also dem Wahnsinn der Kundschaft, geben diesen Futter, wissen aber auch, es rechnet sich Hintenrum. Der Affe wird für das Stückchen Zucker, immer wieder zurückkehren. Und wie gesagt, der Laden ist so aufgebaut, dass man irgendetwas bestimmt findet, was an einem hängen bleibt. Jetzt bin ich wieder in Berlin, und habe somit die Möglichkeit mal durch die Platten zu hören, welche es von Kassel nach Berlin geschafft haben. Über die Wanda Platte, habe ich mal mit meinem Zaubertuch gewischt. Naja, der eigentliche Zauber besteht in der Waschflüssigkeit und auch der größeren Toleranz meines Schallplattensystems, denn ohh Weihnachtswunder, die Platte springt hier nicht! Wenn ihr euch also wie meine Eltern fragt, woraus sich mein Wahnsinn speist, dann wisst ihr nun, aus Geschichten wie diesen. Etwas seriöser recherchiert, ist der Wahnsinn hier in dem Buch Plattenkisten vom Ventil Verlag, dass ich mir von meinen Eltern gewünscht und geschenkt bekommen habe. Ich glaube für Diggers ist das alles nicht neu, was darin steht aber die Bilder im Buch sind sehr gut und sehr präsent. Ein Interview mit Plattenpedro ist auch drin. Sein Laden habe ich vor fier oder fünf Jahren in Berlin entdeckt und er gehört zu den verrücktesten, die ich je gesehen habe. Allerdings ist das ein Laden, in den geht man, um eine bestimmte Auflage von Platte XY zu kaufen. Und so suche und kaufe ich eben eher selten, deswegen war ich auch erst einmal dort. Und von mir um die Ecke liegt er auch nicht. Was ich an dem Buch übrigens nicht so gut finde, dass es keinen "Artikel" gibt, der es schafft das Schallplattenphänomen systematisch zu erfassen und damit für Kritik öffnet. Das ist mir wichtig und damit wäre dann auch umrissen, welche Formen das Nischenprodukt Schallplatte oder auch andere analogen Medienträger in Zukunft annehmen werden. Jedenfalls unter kapitalistischen Bedingungen. Der Zauber des Diggens würde damit nicht verloren gehen. Aber vielleicht würde dadurch die Frage in den Fokus geraten, wie wir in Zukunft leben wollen. Das ist nicht immer ein explizites Thema von Kulturproduktion, wie bspw. dem musizieren, aber immer doch auch ein implizites.
Ich finde den Track ganz schön, das Video nicht über die Maßen. Irgendwie ist es doch auch traurig, dass selbst wenn nur Frauen zusammen kommen (Das Video ist von zwei Frauen gemacht, Aviya Wyse und Yaara Agnon produziert), ein Zwang zu existieren scheint, mit Möpsen Aufmerksamkeit erheischen zu müssen. Das Video will natürlich clever sein, und stellt den männlichen Blick als einen phantasierenden/lüsternen heraus. Zum Ende des Videos tritt eine popaffine aber normale Künstlerin aus der imaginierten Hexenküche ins reale Tageslicht. Die eigentlich kritisierte Politik des Blicks wird, unter einer "neu" hinzukommenden Prämisse (Ironie), lediglich fortgeschrieben. Dabei tragen die Bilder vom Dachboden eigentlich eine eigene Geschichte und sind weit weniger verbraucht, wie das Arrangement in und um der Badewanne herum oder in der Küche. (Obwohl die Raucherin sehr gut dabei aussieht, wenn das Papier sich entzündet.) Nackt müsste derweil niemand sein. Ich glaube, ich muss nicht betonen, dass ich kein Problem mit Nacktheit habe. Soviel Protestantismus können sich nur ganz wenige Menschen in der heutigen Zeit bewahren. Aber sie macht in den wenigsten Fällen dramaturgisch Sinn. Vielmehr stellt sie die graduelle Unterwerfung des größten Teils der Pop-Kulturindustrie, unter das Paradigma der männlichen Herrschaft. Welche vielleicht selber viel stärker imaginiert, als real ist. Ähnlich verhält es sich bei dem noch expliziteren SXTN Video. Wie gesagt, alles kein Ding für sich genommen. In der Masse dürfte sich das vermeintliche Alleinstellungsmerkmal als ein Trugschluss heraus stellen. Miss Red würde ich mir aber live wieder anschauen. Beim Rec. Room im August hatte ich sie verpasst aber irgendwann davor mit The Bug im Ohm gesehen, vlt. auch mal im Trickster. Ist ne Rampensau aber das schadet einer Party eher selten. Rec. Room (mit oder ohne Miss Red) gibt es übrigens wieder am 17.12. im Ohm. Einer der relaxtstisten Partys in Berlin. Verstehe gar nicht, wieso me aka DJ Schleppscheisse da nicht auftritt. Berlin ist echt n hartes Pflaster, für so stille Menschen wie mich.
Da braut sich was zusammen. Heute Abend sind die ganzen Bremer Atzen also in Berlin, und Bremen selbst wird wie ausgestorben sein. Ich finds gut, weil ich lieb gewonnene Menschen endlich mal wieder sehe, ohne selbst nach Bremen fahren zu müssen. Und dann auch noch feiern und tanzen. Was will ich mehr? Das die Hütte voll und die Stimmung ausgelassen wird. Bis später!
Diesen Text habe ich ursprünglich für BLN.FM geschrieben. Aber nach eineinhalb Jahren warten, reicht es dann auch einmal. Womöglich passt der Text ohnehin besser auf meinen Blog. Zeitformen habe ich versucht der Gegenwart anzupassen, ist aber nicht ausgeschlossen, dass sich noch hier und da ein Fehler versteckt ;-)
Da wo die
Auberginen wachsen, Moniker Eggplant
Was liegt näher
als die Berliner Kultur-und Musikszene mit einem Garten voll von Früchten und
Gemüse zu vergleichen. Für jeden Geschmack schießt hier etwas in die Höhe oder
wächst in die Erde. Von allem ist etwas dabei, in unterschiedlichen Mengen und
Größen. Pflaumen nebst langem Spargel, vom faulen Apfel bis zum behäbigen
Kürbis. Manches Gemüse wächst das ganze Jahr und wieder anderes ist nur
Saisonal zu haben.
Möglicherweise
hat eine besondere Leidenschaft für Auberginen dazu geführt, dass das Label Moniker Eggplant eben jene Frucht als
Referenz im Namen und Logo trägt. Vielleicht sehen die Labelmacher Lorenz
Erdmann und Johannes Maibaum aber auch eine Verbindung zwischen dem herben
Geschmack dieses besonderen Gemüses und der Musik die sie verlegen.
1.Das
Label
Das Berliner
Label Moniker Eggplant veröffentlicht seit Oktober 2012 unterschiedliche
Tonträger. Hervorgegangen ist es aus einer Gruppe von Musikern die das
Open-Air-Projekt Be-Cycle
initiierten. Be-Cycle war ein mobiles DJ-Fahrrad, welches nach eigenen Aussagen
„berlinweit für freie und offene Musikperformances“ im urbanen Raum sorgte.
Lorenz Erdmann
erinnert sich:
„Auf dem Be-Cycle lief tatsächlich sehr
diverse Musik. Artists, die jetzt auf Moniker Eggplant veröffentlichen, wie
Dingy Dysu, ILL_K oder Shins-k haben dort aktuelle musikalische Entdeckungen
präsentiert und bei der Fête de la Musique oder am 1. Mai im Görli durchaus
viele Menschen zum tanzen gebracht, als dies bzgl. Ordnungsamt noch leichter
möglich war. Ansonsten hatten wir aber auch Techno/House DJs wie dem
Be-Cycle-Gründer DJul oder MVL, welche jetzt Work-Mitgestalter sind - einer
Veranstaltungsreihe im OHM.“
Um dem ihrem um
das DJ-Fahrrad herum entstehenden Netzwerk eine beständige und weitere
Plattform zu geben, gingen Maibaum und Erdmann dazu über, ihre und die Musik
einiger Freunde im eigenen DIY-Label Moniker
Eggplant zu verlegen. DIY steht für Do It Yourself und umschreibt u.a. eine
bestimmte Praxis als auch Ethos des Verlagswesens. Unabhängig von großen Majors
wollten, und möchten noch, Künstler und Verleger ihre Arbeiten produzieren und
vertreiben. Entsprechende Szenen etablierten sich bereits Mitte der 1970er
Jahre unter dem D-I-Y Codex. Diese Dezentralisierung der Kulturproduktion kann
man durchaus als ein Werkzeug der Demokratisierung lesen. Zudem resultiert aus
dieser Praxis eine eigene Ästhetik, dazu gleich mehr.
2.Veröffentlichungen
und Labelumfeld
Am 25.04.2014
ist die erste 12“ Vinyl EP des Labels unter dem Namen Sonic Carpaccio erscheinen. Auf diese folgte im Juni vergangenen
Jahres eine Veröffentlichung von Leise im
Kran im Kassettenformat.
Neben digitalen
Downloads, 7“ Vinyl-Singles und CD-R Produktionen sind dann so ziemlich alle
gegenwärtigen Distributionsmittel für Musik bedient worden. Trotzdem sucht das
Label nach immer neuen Publikationsmöglichkeiten:
„Wir
suchen nach ungewohnten Medienverbünden und denken über 7"-Bücher oder
Tape-trommeln nach. Wie dies umzusetzen ist, wird sich noch heraus stellen.
Generell sind die 7"-Singles für Produzenten und einzelne herausragende
Tracks vorgesehen. Wir sind gerade dabei, die nächste 7" zu erdenken und
sind dazu am überlegen, diese in Kooperation mit einem anderen Label zu
veröffentlichen.“
Die wichtigsten
Produkte der bisherigen Labeltätigkeit von Moniker Eggplant waren aber
sicherlich die drei CD-R Compilations Mashed
Eggplants Vol. 1 & 2 und Recipes
of Reconstruction. Diese drei Compilations können durchaus als Porträts
eben jener weit verzweigten Musikszene gesehen werden.
Auf den ersten
beiden Samplern sind insgesamt 27 Musiker vertreten. Diese kommen neben
Deutschland, unter anderen aus der Schweiz, Finnland, Japan und Australien. Die
CD-R Recipes of Reconstruction steht
neben den Netzwerkcharakter des Labels zudem für das Verhältnis, welches die
Musiker unter einander pflegen. Hier haben sich 16 Musiker die Mühe gemacht
ebenso viele Songs der Mashed Eggplants Compilations zu remixen. Dieses
Engagement ist durchaus im Sinne des Labels und geht auf deren Initiative zurück.
Allerdings kennen sich auch viele Musiker schon länger und aus ähnlichen
musikalischen Zusammenhängen.
Beispielsweise
beliefert der Musiker Istari Lasterfahrer aus Hamburg, mit seiner Musik und
seinem Label Sozialistischer Plattenbau,
die Musikszene seit über 15 Jahre mit Tonträgern. Viele der Platten können den
Genre Breakcore und Raggacore zugeordnet werden. Den disparaten Ursprüngen der
Breakcoreszene und deren Fortentwicklungen widmet sich der Musiker und Verleger
bis heute.
Von Berlin aus
vertreibt der finnische Musikproduzent Mesak elektronische Musik aus
Skandinavien. Unter anderem die Produkte des Label Harmönia, welches er mitbegründet hat. Für deren Klänge hat sich in
der Musikwelt der Begriff Skweee etabliert. Dieser Begriff bezeichnet eine Musik,
die mit Hilfe analoger Synthesizer dem Dubstep mal mit Funk und mal mit Polka
zu Leibe rückt.
Wiederum weiter
südlicher, nämlich Leipzig, dort ist der Musiker LXC und sein Label Alphacut beheimatet. Dieses Label hat
mit seinen diversen Unterlabeln bisher gut 50 verschiedene Titel
veröffentlicht. Der Schwerpunkt liegt hier auf tricky Drum´n´Bass, Dub und
Dubstep. Zusammen mit Moniker Eggplant hat Alphacut die 7“ Single von Lorenz
Erdmann und Niklas Meier „Meier &
Erdman: Toxic Scythe - A Grass-reaping Self-sharpener In Two Parts
realisiert.
Man kann in dem
Label Moniker Eggplant also durchaus auch einen Ort von und für
Musikenthusiasten sehen.
Musik:
Auf ein
bestimmtes musikalisches Genre wollen oder können sich Moniker Eggplant nicht
festlegen. Trotzdem lässt sich innerhalb der aktuellen Releases durchaus eine
thematische Klammer entdecken. Das große Dach, unter dem sich diese
Gemeinschaft zusammenfindet, ist das der experimentellen elektronischen
Populärmusik. Was bedeutet das? Jedenfalls kein generelles Verbot von
akustischen Instrumenten. Aber vielleicht doch eine Tendenz Musiker wie Aphex Twin, Luke Vibert oder Bogdan
Raczynski wie Säulenheilige zu verehren. Wer also die Musik der englischen
Labels Warp oder Rephlex mag, sollte sich mit dem Label Moniker Eggplant durchaus
anfreunden können. Im Gegensatz zu deutschen Labels wie Hausmusik, mit denen
Moniker Eggplant das händische Arbeiten teilt, ist die Musik hier aber weniger
song- bzw. wortlastig.
Ganz auf
Verbalisierungen verzichtet man dennoch nicht. Zum Beispiel im Fall des Songs Superfreak von X.A.Cute und Infinite Livez.
Auf Grund der Rhymes des in Berlin lebenden (immer noch?) East-Londoner Infinite Livez
(Steven Henry) bleibt einem jegliche Betulich- oder Peinlichkeit erspart und
stattdessen gibt´s einen aufgeschraubten Grimehit auf die Ohren.
Was für hiesige
Ohren experimentell klingen mag, hat also durchaus eine Musikgeschichte und mag
für Andere vertraut und eingängig klingen. Der Begriff der Experimentalität
sollte deshalb nicht übermäßig auf Rhythmik und Tonalität beschränkt werden.
Lorenz
umschreibt ihr Experimentierfeld deshalb wohl folgendermaßen:
„Ich zähle die Experimente in der Küche (für
unsere Rezepte), die musikalischen Experimente der verlegten Künstler, wie auch
die Art und Weise, wie wir veranstalten und letztlich wie wir releasen dazu.“
Der Begriff des
„Experimentierens“ ist also auf verschiedene Formen von Praxen anzuwenden. Dazu
gehört, dass mit jedem Release das Rezept für ein Auberginengericht oben drauf
gegeben wird. Beim musizieren wird dann eher auf Synthesizer und Hardware als
auf ausgiebiges Sampling gesetzt. Ebenso bemühen sich die Musiker um eine
gepflegte Improvisationshaltung oder experimentieren mit musikfernen
Geräuschquellen. Das können transformierte Programmcodes genauso sein, wie
Kinderspielzeug.
Foto: Nancy Göring
Da wo
Musik-Samples eingesetzt werden, geht es nicht selten um Verweissysteme, also
das featuren von bestimmten Musikszenen oder musikalischen Vorbildern. Dies
geschieht mal mehr, mal weniger versteckt.
Recht
anschaulich beschreibt der Musiker Ill_K seine Arbeitsweise, er ist einer der
vier Künstler, die auf der kommenden EP Sonic
Carpaccio vertreten sind.
„Wenn ich unterwegs bin, sammle ich viele
meiner Samples mit dem I-Phone. Das klingt für hoch-frequente Sounds ganz okay,
oder für das Rauschen der U-Bahn. Ansonsten arbeite ich mit Mikrophonen und ner
Soundkarte, aber das vorwiegend Drinnen. Ich sample auch gerne von Platten,
aber eher mit extrem verlangsamte Aufnahmen oder nur das Plattenknistern. Zum
arrangieren etc. nutze ich am liebsten Reason 7 von Propellerhead. Hardware
benutze ich eher selten. Ich habe noch einen alten Mixer mit dem ich gerne
Feedbacks erzeuge und diese dann resample, aber das meiste findet digital
statt."
Ill_K kommt
ursprünglich aus Bremen und ist dort im Boombastic Store und Clubs wie dem
Tivoli und Ting mit Jungle und Drum´n´Bass in Berührung gekommen. Das auflegen
und produzieren hat er sich zum größten Teil autodidaktisch beigebogen. Und mit
der Dubspin Crew hatte er seine eigene Dubstep Posse und Veranstaltungsreihe.
Das war auch noch in der Hansestadt. Heute sieht man ihn vor allem in Berlin,
in Läden wie dem ://about blank, Subland und Rosis. Aber auch in Keller Clubs
wie dem Trickster.
Mittlerweile
versucht er sehr verschiedene Genres zu bedienen oder auch zu verbinden, wie
Dubstep und Noise, Drum´n`Bass und Drone Musik. In seinen aktuellsten
Produktionen beschäftigt er sich aber vor allem mit elektronischer Musik, die
um die 170 bpm Marke oszilliert. Ein spezifischer Genrename hat sich für die
Musik noch nicht etabliert aber bestimmte Künstler lassen sich damit schon
verbinden, meint Klaas aka Ill_K:
"Viele bekannte Leute würde ich in die
170er Sparte packen. Dbridge, Skeptical, oder auch Labels – die für mich sehr
viel gute Sachen machen – wie z.b. Samurai Music mit Artist wie Elemental, ENA,
SAM KDC, ASC. Einen direkten Namen habe ich für das Genre nicht. Was vielleicht
auch ganz gut ist. Kein Name, keine Regeln."
Ill_Ks´s Track Psalmus auf der EP Sonic Carpaccio hat mit diesem Genre ohne Namen aber lediglich die
Düsternis gemein. Auf 170 bpm kommt das gute Stück nicht und hat sich stattdessen
bei 140 bpm eingependelt. Anfänglich erklingen späherische Synth-Linien, dann
schiebt sich vorsichtig die Bass-Drum in den Song, begleitet von minimalen
Klavierläufen. Pause.
Die Sphärischen
Klänge haben die Temperatur geändert und sowohl Tempo als auch Rhythmik werden
nun von einem ruhigen 2step Beat getragen. Etwas versteckt aber doch irgendwie
tricky das Geräusch, welches wie das Schnappen sehr vieler Scheren klingt.
Dieser zweite Teil wird noch einmal wiederholt werden und der Song klingt dann
in einem Rauschen aus.
Wie die Elemente
für diesen Track entstanden sind, erklärt uns der Musiker selbst:
"Ich hab die Percussion aus Vinylknistern
und zerbrechendem Glass gemacht. Die Sub hab ich aus einer Feedbackschleife von
meinem Mixer gemacht. Dazu noch ein Klavier im "Shangl Hangl"
aufgenommen und gesampled, welches ich mit ein paar Atmos von der U-bahn
unterlegt habe. Die Drums sind auch zum Teil gesampled."
Der Wuseng Dub von Memory9, mit dem die EP startet, wird im Wesentlichen seinem Namen
gerecht. Die prägnanten Unterschiede zum klassischen Dub liegen vor allem in
der höheren Geschwindigkeit, aber vor allem in der gehauchten Synth-Melodie.
Ohne diese Synth
aber genauso düster ist der Track Never
Been von ENA. Fast schon
stolpernd schieben sich hier die minimalen repetitiven Beats dem Ende des
Tracks entgegen. Im letzten Track Shadowborn
von Ibunshi flirren die Synth auf
Höhe der Horizontebene. Im Vordergrund stampft das Instrumentarium eines Jungle
Tracks so langsam, dass der Song wie ein Hybrid aus Drum´n´Bass und Dubstep
wirkt.
Insgesamt werden
diese vier formal recht unterschiedlichen Tracks vor allem durch ihre
Klangfarbe zusammengehalten. Es scheint so, als hätten sich alle vier Produzenten
an englische Downbeat Nummern der 1990er Jahren, als ihren gemeinsamen Fixstern
orientiert. Hier und heute paart sich relativ ungestüm die Melancholie mit
einer gesunden Portion Düsternis. Die schleppenden Beats weichen nur
streckenweise dem Impuls eines treibenden Rhythmus. Das alles ist so gemixt,
dass es kurzweilig klingt, eben wie eine gute Vermählung von Popgeschichte und
Gegenwärtigkeit.
3.Layout:
Wie bereits
angedeutet, leitet sich aus dem DIY Ansatz des Labels auch eine spezifische
Ästhetik. So wie bei den frühen Veröffentlichung des Labels Hausmusik, geht
auch bei Moniker Eggplant noch jedes Produkt durch die Hände ihrerProduzenten. Die besprochenen Sampler werden in einem
schlichten Pappkarton veröffentlicht, der von einem fetten Stempeldruck
geschmückt und mit einem Auberginenrezept bestückt ist. Die Cover der bisher
erschienenen Singles sind zwar nicht gestempelt aber dafür im
Siebdruckverfahren hergestellt, also reine Handarbeit. Auch wenn die
Beipackzettel zur CD nicht mehr selbst gedruckt sind, erinnert zumindest deren
Layout noch an die guten alten Zeiten der Schreibmaschine und des mit Tinte
verwischten Millimeterpapier.
4. Aussicht
Mit den drei
Compilations haben Moniker Eggplant es sich selber nicht ganz einfach gemacht.
Als normaler Musikhörer – der sich nicht mit aufwendiger Recherchearbeit
beschäftigen möchte – bekommt man gleich über ein Duzend guter Tracks
geliefert, die Einzel- bzw. Folgeveröffentlichungen wünschenswert machen. Dabei
ist nicht zwangsläufig gesagt, dass die jeweiligen Musiker überhaupt schon
soviel und gleichwertige Musik produziert haben. Zudem wäre es dem kleinen
Label auch nicht möglich soviel Musik in kurzer Zeit zu veröffentlichen. Dem
entsprechend müssen sie die Aufmerksamkeit auf ihr Label und die einzelnen
Releases auch immer wieder neu herstellen. Das kostet viel Kraft, an dem
sicherlich die meisten kleinen Labels letztlich scheitern.
Umso besser im
vergangenen Juni das Tape von Leise im Kran veröffentlicht wurde. Es fügt, mit
dessen Acid Sound, dem Klang des Labels eine weitere Nuance hinzu.
Bedauerlich ist,
dass das Label nicht selber mehr aktiv ist musizierende Frauen zu supporten und
zu veröffentlichen.Dies kann man durchaus als
exemplarisch für die Musiklandschaft als auch die Gesellschaft allgemein
betrachten. Aber man wünscht es sich doch immer auch anders von den kleinen
Labels, die für sich in Anspruch nehmen alles ein bisschen neben der Spur und
experimentell zu gestalten. So bleibt es bei MimiCof als einzige Künstlerin im
Roster des Labels.
Alles
in allem darf man aber durchaus gespannt sein wie sich das Label und die
MusikerInnen um das Label herum entwickeln. Es ist nicht ganz ausgeschlossen,
dass sich die eine oder andere Frucht zu einem neuen Säulenheiligen entwickelt.
Dienstag, 7. April 2015
Ach schön, ich wurde wieder gefragt, im O Tannenbaum aufzulegen.
Das letzte Mal ist etwas her und seit dem sind einige Platten dazugekommen. Gekauft während des Urlaubs in London bei Oxfam und Music and Video Exchange, auf dem Flohmarkt in Berlin aber auch ein paar aktuelle Veröffentlichungen habe ich mir leisten wollen. 5% Discount sind übrigens nicht so viel wie man denkt. Das nur mal nebenbei geschrieben.
Zudem gewinnt auch bei mir gelegentlich das Gefühl an Boden, dass ich an Platten ersticke. Mein Phonomöbel ist mittlerweile bis zum Platzen gefüllt. Deswegen habe ich vor kurzem begonnen, einige Platten auszusortieren. Sachen die ich scheisse finde, und irgendwann und wie dazugekommen sind. Auch Schallplatten die ich doppelt habe, oder die zu den Platten – die ich bereits habe – keine besondere Ergänzung darstellen. Bspw. ist Griechische- oder Folklore der Roma zwar toll aber irgendwann hat man dann doch genug Platten, im jeweiligen Genre. Jedenfalls auf den frei verbliebenden Raum der Einzimmerwohnung gesehen.
Ich wünschte mir, für eine Musikbibliothek zu arbeiten und dafür Platten von Flohmärkten etc., retten zu dürfen. Aber das wird ganz sicher ein Traum bleiben.
Also begnüge ich mich damit, meine privaten Fundstücke vornehmlich im OT vorzustellen. Der Freitag ist dazu hoffentlich besser geeignet, als der Samstag. Aber eben auch nicht ganz so gut wie der Donnerstag. So meine Einschätzung. Andererseits will ich euch und uns nichts vormachen, der DJ ist – vor allem im Bar Kontext – ohnehin ein sentimentales Überbleibsel eines Repräsentationskonzepts, das sich sozial/technisch längst überlebt hat. Auch wenn das soziale Gedächtnis demgegenüber seine recht hohe Latenz geltend macht. Und so bleibt die Bar mit DJ vorerst im Betrieb. Und ich irgendwie auch. Nicht zuletzt, weil das OT einer der Orte ist, wo sich zumindest die Begeisterung der Betreiber für Musik allgemein und das Interesse an der Tätigkeit des "DJ", am Programm und am Zwischenmenschlichen tun ablesen lässt. Aber auch weil unter den Gästen relativ viele Musiker_Innen sind, ist die Aufmerksamkeit für das was an Musik im Hintergrund so läuft im Schnitt höher als in anderen Kneipen. Obwohl der ein oder andere Abend uns gegenteiliges bestätigen mag.
Ich werde sehen und auch du bist dazu herzlich eingeladen. Los gehts ca. 22.30h und endet irgendwann in der Nacht. Wie immer Versuche ich den biederen Ernst mit musikalische Dummheiten zu vertreiben und die Langeweile mit einem gepflegten Maß an Wahnsinn. Aloha, dein DJ Schleppscheisse, aka hg, aka Swift Nick Carter aka DJ Hoe Garden, DJ Golden Draak Shower.
Um
es gleich klar zu machen, ich schreibe nicht von zu teuren Getränken oder überhöhten
Eintritten. Dieses Ding heißt Kapitalismus. Und die moralische Diskussion dazu
ist so alt wie das Ding selbst. Sie ist dazu müßig und führt zu nichts. Da müsste
schon etwas Neues her, um da schlussendlich einen Strich drunter ziehen zu
können. (Das Kapital lesen hilft womöglich!)
Nee,
ich schreib hier einfach, wie ein Typ in die Kneipe kommt, deine Blödheit
ausnutzt, um an scheinbar schnelles Geld zu kommen. Aber ich bin hier auch
nicht derjenige, dem so etwas nicht passieren kann. Ich bin einfach meistens
allein unterwegs und habe Zeit mir die Leute und ihr Zusammenleben anzusehen.
Ich bin aber auch nicht der Mond, falls sich noch jemand an den Song von Rocko
Schamoni erinnern kann. Ich kann auch nicht sagen, dass es immer so und nur so
abläuft. Ich beschreibe einfach nur, was ich glaube, gesehen zu haben.
Du
warst schon mit deiner Clique da. Ihr habt euch englisch miteinander
unterhalten, habt getrunken aber wart vor allem mit dem Spiel mit den bunten
Federn beschäftigt. Das Spiel, was nur noch in den besten Momenten an eine
Poussade erinnert und eher dem prinzipiell geschädigten Selbstwertgefühl dienen
soll, als jemand anderes zu schmeicheln.
Eure
Taschen habt ihr unter eure Stühle und den Tisch abgelegt. Was ich besser
finde, als damit die ganze Zeit rum zu latschen oder sogar noch mit den
umgehängten Taschen zu tanzen. Aber eigentlich geht mich das auch alles gar
nichts an. Jedenfalls sollte es das nicht. Ich sollte in mein Glas schauen und
warten bis ein Track kommt, der mich zum bewegen meines Körpers motiviert.
Irgendwann
kommt der Typ rein, der euch abziehen will oder wird. Seine
Klassenzugehörigkeit sieht man ihm genauso an, wie euch. Aber ich umschreibe es
mal folgender maßen, ihr habt als Kinder nicht im gleichen Sandkasten gespielt.
Mit großen Schritten durchmisst er den Raum, eigentlich in alle Richtungen. Er
lacht, tritt mit jeder Person im Raum mindestens einmal in Augenkontakt. Er
klopft mir tatsächlich wohlwollend auf die Schulter. Aber ich weiß nie auf
solche Gesten zu reagieren, also tue ich gar nichts.
Begleitet
wird er von einem Mädchen, die den ganzen Abend nicht einmal lachen wird. Sie
ist genauso rausgeputzt wie du und die Leute in deiner Clique. Aber doch auch
wieder anders, von allem trägt sie etwas mehr auf. Er kauft sich und seiner
Begleiterin ein Getränk oder gibt sie das Geld für die beiden Jever? Sie setzen
sich nicht abseits, sondern in die Nische, die auch von den meisten anderen Gästen
benutzt wird.
Er
holt sich Feuer an einem Nachbartisch. Dabei wirft er sein Bein um das Bein
desjenigen, der ihm Feuer geben soll, und tanzt ihn an. Er lacht, der der ihm
Feuer geben soll, nicht so sehr. Aber diese Situation ist mit dem entzünden der
Zigarette auch schon beendet. Nur eine der Merkwürdigkeiten, der man Berlin so
gerne nachsagt. Nicht merkwürdig, weil ein Mann einem anderen Mann das Bein
überschlägt und ihn antanzt. Sondern weil diese Geste nicht vermittelt ist.
Außer vlt. von dem Berlin Mythos, das wir alle eine Gemeinschaft bilden und
hier ne krasse Zeit verleben.
Das
gegensätzliche Paar sitzt der entgegengesetzten Gemeinschaft, mit der du den
Abend verbringst, gegenüber. Irgendwann greift er rüber und zieht an deiner
Tasche so, als würde er seine eigene zu sich rüber ziehen. So steht deine
Damenhandtasche zu seinen Füßen, zwischen seine Beine geklemmt. Er nimmt sich
seine Jacke oder die seiner Freundin. Die Jacke liegt über seine Beine bis zum Boden, so als
würde er gleich gehen wollen. Bevor er sich runterbeugt und seine Hand
in die Tasche gleitet, gehe ich doch rüber und spreche ihn an.
Ich
hasse das, mich in andere Angelegenheiten einzumischen. Ich bin kein Bulle,
will keiner sein und auch nicht spielen. Die Bullen sind nicht so meins. Sie
tun so, als würden sie unser Eigentum schützen und den Verkehr regeln. Aber
eigentlich geht’s um das Eigentumsrecht allgemein und das der Produktionsgüter
im speziellen. Und ja, der Satz klang schon während des Schreibens
abgedroschen. Aber die Gegenwart beweist ihn doch Tag für Tag.
Er
lacht mir ins Gesicht und fragt mich während dessen, ohne das ich ein Wort davon
verstehe, was ich für ein Problem habe. Oft verstehen wir unsere Gegenüber
nicht, wissen aber doch ganz genau, um was es ihnen geht. Da er so blöd tut,
muss ich dich und deine Clique doch ansprechen, ob die Tasche jemand von euch
gehört. Euch gegenüber tut er unwissend. In eurer Gruppe gibt es diesen kurzen
Moment der Aufregung. Was euch aber nicht dazu nötigt, mit ihm oder mir ins
Gespräch zu treten. Jemand von euch nimmt die Tasche. Die Mauer geht wieder
hoch, ohne das ihr ein Wort gesagt habt.
Ich
will schon wieder gehen und sage ihm aber dann doch noch, dass es vielleicht
besser ist, wenn er jetzt gehen würde. Aber nicht meinetwegen, das möchte ich
hier hinzufügen. Ich glaube einfach, sein Verharren würde auf größeren Stress
hinaus laufen, als notwendig ist. Okay, Stress brauche ich auch nicht. Also
habe ich es auch ein bisschen für mich getan.
Tatsächlich
nimmt seine Freundin ihren Mut oder vielmehr allen Stolz zusammen, und fragt
mich, was ich von ihnen wollte. Es ist so bitter, welche Verrenkungen das (schlechte)
Gewissen macht, um sich selbst zu befrieden. Ich muss keine großen Erklärungen
machen. Ihr Freund gibt ihr zu verstehen, dass es okay sei und es besser ist zu
gehen. Beim gehen kommt er natürlich noch einmal zu mir. Wobei es ihm
vielleicht dieses Mal tatsächlich eher um sein Selbstverständnis geht.
Er
lacht immer noch, er hat die ganze Zeit gelacht. Wenn auch nicht immer mit den
Augen. Aber ihm vergeht vermutlich ohnehin das Lachen erst, sollte er einmal
sein Gesicht verlieren. Aber mir ist sein Lachen lieber, als die Angst
dahinter. Ich sage ihm einfach, das ich ganz genau gesehen habe, was er gemacht
hat. Er kann das anerkennen und sie gehen. Sie kommen aber noch einmal zurück,
um ihre beiden Getränke zu holen, welche sie bei ihrer Sitzgelegenheit stehen
gelassen hatten. Dann gehen sie wirklich.
Vermutlich
hätten sie euer Geld mehr verdient als du und deine Clique. Aber irgendwie
haben sie sich auch blöd angestellt. Vielleicht aber auch nicht und an diesem
Abend sind tatsächlich noch Sachen verschwunden. Möglicherweise von anderen an
sich gebracht. Aber ganz sicher sind auch dieses Mal wieder alle diejenigen
Sachen passiert, die sich unsichtbar vor unseren Augen vollziehen. Die uns dazu
nötigen dem Schotter nach zu rennen und dabei Strecken zu überwinden, die gar
nicht notwendig wären, um unsere beschissene Existenz zu sichern.
(Für diesen Artikel waren 4 1/2h unbezahlte Arbeit notwendig)
Und hier eine winzige Doku, die ein bisschen aufzeigt wie auch in Süd Afrika die Pop Musik in gestern und heute zerfällt. Vermutlich auch dort ungerechtfertigter Weise. Ich muss hier wirklich weg und auf anderen Kontinenten nach Platten suchen.
Das wird eine ganz schön krasse Woche, wenn ich alle Verantsaltungstipps dieser Woche für Berlin wahrnehme. Das ich jetzt Werbung für´s White Trash mache, möge man mir nachsehen, denn es ist ganz und gar der Veranstaltung geschuldet.
Also Dienstag:
Jello Biafra DJ Set. (Einen kleinen Vorgeschmack, hier.) im White Trash. Mittwoch dann zwei zur Auswahl: 1) NoiseAngriff im Lauschangriff/ Rigaer Str. 103, 10247 Berlin 2) DEUX BOULES VANILLE + AMIGO TROPICAL im Bei Ruth Ziegrastraße 11-13, Berlin / Neukölln (S-Bhf Sonnenallee) Da werde ich wohl sein und Einlass machen :-O Donnerstag: 1) INNER RHYTHM! AFRO CONCERTS, im Urban Spree u.a. mit den THE SACRED TRAVELERS (hatte ich mal auf meinem Zine Blog besprochen) 2) Mr Koen N. veranstaltet eine weitere Urban Mutations in der Paloma Bar 3) Tag der Niederschlagung des deutschen Faschismus Freitag: Nozinja aka Shangaan Electro auch im Urban Spree. Für mich ein Muss da hinzugehen. Samstag: Sewn Leather + Dracula Lewis im West Germany, vlt. ja diesmal wirklich. Ich würde mich sehr darüber freuen. Hier noch mein Clip aus Bremen. Hatte ich wohl schon mehrmals hier verwendet, ist aber lange her. Sewn Leather (pt.1) from oOswiftnickcarterOo on Vimeo.
Heute Abend gibt es den zweiwöchentlichen Noise Angriff im Lauschangriff. Los gehts um 21h. Also viel später sollte man nicht aufschlagen. Ich leg Platten unter dem Namen Ol´ Dirty Dada auf. Aber vlt wichtiger sind Bombhead, Utku Tavil, ZFE, fgnugn, Christoph Fringeli. Denke mein Set wird etwa ne Stunde gehen, halt bis alle Ohren bluten oder die Stadt in Trümmern liegt. Mein Anspruch aus Bremen hat sich also nicht geändert. Alles muss vom Kopf auf die Füße gestellt werden. Notfalls mehrmals. Wann ich oder die anderen starten wird am Abend von Monica Lierhaus ausgelost.
Den (f)Lauschi findet ihr hier: Lauschangriff Rigaer Str. 103, 10247 Berlin, Germany
Bei Facebook stirbt die Veranstaltung hier vor sich hin.
Freitag platzt die Stadt mal wieder aus allen Nähten. Was nichts anderes bedeutet als das ich wohl zwischen zwei Veranstaltungen pendeln muss. Zum ersten stellt Steffen Ullmann Collagen im Gift aus. Mit Steffen habe ich zusammen Grafik Design in Anklam studiert. In Bremen haben wir (Lena, Lena, Michael, ich) im Flieseneck eine sehr schöne Ausstellung mit ihm gemacht. Das war aber glaube ich noch 2011, also ewig her. Irgendwann im letzten Jahr hat Herr Ullmann seinen Job an den Nagel gehangen und schlägt sich irgendwie so durch´s Leben. Die letzte Ausstellung von ihm habe ich letztes Jahr in Berlins Plattenladen mit dem unhöflichsten Verkäufer der Welt gesehen. Wer errät wie der Laden heißt, hat morgen freien Eintritt im Gift und bekommt von mir ne Limo spendiert. Denn ich werde neben Iku Sakan wohl auch ein paar Stunden auflegen. Ich mach dann auf Berlins unfreundlichster DJ. Die Ankündigung für die Veranstaltung ist in englischer Sprache gehalten und lautet folgendermaßen:
'deco
trends' exhibits a selection of recent paper collage works, tracing
ambiguities of material and image regarding its infinite transformation
in physical and digital reproduction besides the limits of meaning and
perception through scaling. opening: friday, feb 7th 20h - late + dj xox w/o wow also open: saturday feb 8th 17 - 22h
Damit ist aber noch lange nicht Schluss…NEIN! Im Trickster gibt es zur gleichen Zeit einen Moniker Eggplant Abend. Zu den Auberginen Köpfen muss ich nicht mehr wirklich viel sagen. Ich habe schon sehr häufig über die Jungs gepostet.
Morgen spielen dann Mesak, Istari Lasterfahrer und Leise im Kran. Das passt wie die Faust auf´s Auge. Und so werde ich spät ins Trickster und noch mitnehmen was geht.
Im Rahmen der Bin ich schön? Ausstellung im Museum für Kommunikation / Berlin, gibt es heute einen Vortrag von Simon Strick zum Thema Digitale Schönheit. Avatare, Geschlechtsideale und das ›Uncanny Valley‹. Okay das ist jetzt ganz kurzfristig angekündigt. Aber ich wollte wenigstens darauf hingewiesen haben. Der Ankündigungstext liest sich jedenfalls sehr gut.
Das »Uncanny Valley« – das Tal des Unheimlichen – ist
ein Begriff aus der Robotik und der digitalen Animation. Es bezeichnet
den seltsamen Effekt, das künstlich geschaffene Figuren (Avatare,
Roboter) unheimlich wirken können, je menschenähnlicher sie sind.
Realismus und Schönheit schlagen in ihr Gegenteil um und wirken
artifiziell und bedrohlich. Da unsere Schönheitsideale derzeit mehr von
Photoshop und Computerbearbeitung als von natürlicher Anmut
gekennzeichnet sind, stellt sich die Frage, wann wir selbst das Uncanny
Valley betreten und die Grenze zur Künstlichkeit überschreiten.
Plastische Chirurgie, 3D-Animation, computergestützte Facelifts und
digital animierte Popstars – der Vortrag wird das unheimliche Tal
zwischen Künstlichkeit und Menschlichkeit abschreiten, in das unsere
Vorstellungen vom Schönsein führen können.
Vortragsreihe des ZfL im Rahmen der Ausstellung Bin ich schön? (27.09.2013–23.02.2014) des Museums für Kommunikation Berlin Eintritt frei
Schon seit Anfang Oktober läuft jeden (?) Dienstag eine Filmreihe zu Feministischen Filmen, hauptsächlich im Movimento. Da ich jeden Dienstag Programm hab, war es mir zumindest bisher nicht möglich die Reihe zu besuchen. Ich möchtes es mir trotzdem nicht nehmen lassen, auf diese besondere Veranstaltungsreihe hinzuweisen.
Genaueres könnt ihr hier erfahren, zum Facebook geht´s hier lang.
Di / 5.11.13 / Moviemento Stories of Work and Migration
19h Performing the Border
CH 1999, Ursula Biemann, Digital Video, OmU
20:30h Copy Me, I Want to Travel
D 2004, Renate Lorenz, Brigitta Kuster, Pauline Boudry, DigiBeta, DF
Filmgast: Brigitta Kuster
Di / 12.11.13 / Moviemento Global Feminisms
19h Who Hangs the Laundry? Kurzfilmprogramm
21h Transactions. Kurzfilmprogramm Zusammenstellung und Diskussion: Madeleine Bernstorff
Sa / 16.11.13 / Vierte Welt
19h Workshop: Feministischen Film zeigen – Seminare, Festivals, Filmverleihe
mit Claudia von Alemann, Madeleine Bernstorff, Birgit Kohler, Helke Sander (angefr.), Hildegard Westbeld
Di / 19.11.13 / Moviemento
19h Kurzfilmprogramm: Ästhetische Strategien, politische Subjekte. Ein dialogischer Aktualisierungsversuch!
Amy!
GB 1980, Laura Mulvey, Peter Wollen, GB 1980, DCP, OF
Often during the day, Joanna Davis, GB 1979, DVD, OF
Red, She Said, Mareike Bernien, Kerstin Schrödinger, D/GB 2011, Digital Video, eng. OF Filmgäste: Mareike Bernien, Kerstin Schrödinger
Di / 26.11.13 / Vierte Welt
19h Revolutionäre Frauen – Workshop mit Filmbeispielen
Moderation: Felicita Reuschling
Di / 3.12.13 / Vierte Welt Feministische Kollektivität – Workshop mit Filmbeispielen
unter anderem mit: Tina Kiel, Bettina Hohorst, Mayan Printz, Kerstin Stakemeier, Hanna Bergfors, Kornelia Kugler
Und dann seien euch noch die Leute von Moniker Eggplant ans Herz gelegt. Die feiern heute ihren ersten Geburtstag. Geschenke müssen nicht mitgebracht werden, bloße Anwesenheit reicht und Babs kommt auch. Ich mach ein bisschen Bar und trink dann vlt auch mal was anderes als Orangenschorle. Ne Mate oder so. Und dann bewege ich mich ganz verrückt zur Musik, wenn die Musik mir so richtig richtig gut gefällt. Es spielen nämlich wirklich vermutlich gute Leute (die Erwartungen sind hoch) und es beginnt deswegen außerordentlich früh, auch mit einem Büffet. Zum Bauch vollschlagen. Der Timetabel sieht so aus: Timetable:
Facebook gibt´s natürlich auch, hier. Da kann man was zu den KünstlerInnen lesen. Bei Bln.Fm sollte ein Labelporträt erscheinen, hat es aber anscheinend nicht durch die harte Redaktion geschafft.
Wenn ihr die Augen schließt und mir heute Abend wirklich nah seid, dann schwingt in meiner Aura schon ein bisschen was von der Musik mit, die am Folgetag im Gift kommen könnte oder die ich selbst beim Audible Meal aufgelegt hätte. Mir schwant, ich wäre ein auratisches Werk. Bis dann.
Eigentlich ist in der Betreffzeile alles gesagt und das Datum auf dem Flyer nachgereicht. Deswegen hier nur ganz kurz, ich lege morgen mal wieder im Gift auf. Toll oder?
Weil ich doch wieder mit Platten auflege und keine Playliste runterdudel, kann ich mich nur bedingt mit den Gästen unterhalten. Aber ich bin ja ehh nicht sonderlich redseelig und trinke nur Orangenschorle. Deswegen passen mich gute Freunde bei den sehr langen Tracks ab und erzählen mir aktuelles von hier und dort. Während den wesentlich längeren Party der kurzweiligen Songs, unterhalten sich die Gäste des Gifts untereinander, nicken mir wohlwollen und prosten sich gegenseitig zu. Fräuleins und das grobe Geschlecht schätzen sich gegenseitig ab, um dann auszulosen wer mit wem nach Hause geht. Zum Abschied drückt man mir die Hand und geht seiner Wege.
Bis sich die Gemeinschaft der blutrünstigen früher oder später wieder in der Kneipe trifft, um an einem Getränk zu nippen und Gespräche zu halten.
Voguen wird mit wohlwollen aufgenommen.
Bis Morgen habe ich es auch geschafft das Große in das Kleine zu bekommen. Versprochen!
Von Meg Remy aka U.S. Girls gibt es ein neues Video und zudem wurde ein sehr aufschlussreiches Interview bei Rookie publiziert. Ich finde Megan ragt, aus dem was uns musikalisch so umgibt, weit hinaus. Für mich besteht diese Besonderheit darin wie sie Vergangenheit und Gegenwart verbindet. Und welche Zugeständnisse sie der Popkultur abverlangt, um die Kunst zu machen die sie macht. Und NICHT umgekehrt. Ich finde das sind gute Vorraussetzungen auch weiterhin gespannt zu bleiben, was von Frau Remy noch kommen wird. Denke dürfte bestimmt eines der nächsten Signings von Matador werden. Was dann wiederum auch schade wäre. Aber erst einmal abwarten. Vielleicht mag Meg sich ja noch ein bisschen ihre Unabhängigkeit bewahren. Leider habe ich wohl ihr letztes Konzert in Berlin verpasst. Was mich wirklich wundert, dass mir das passieren konnte. Aber dann war ich auch wieder nicht so traurig. Ein bisschen Abstand tut ja auch ganz gut und die nächste Tour kommt bestimmt.
Und es gibt weitere sehr sehr gute Künstlerinnen und Künstler.
Am Montag spielt zum Beispiel Shannon and Clams im Monarch, Berlin. Ich durfte Shannon mal in der Begleitband von Hunx and his Punkettes sehen. Wobei hier der Begriff Begleitband auch nicht wirklich passt, denn die Frauen waren auf der Bühne ähnlich present wie Hunx selber. Aber auch in diesem Zusammenhang war sofort zu sehen, was für eine 180% Musikerin Shannon ist. Insofern bin ich mehr als gespannt. Ich habe mich dazu entschlossen den kleinen Werbeclip hier unten zu posten. Ich fand den eigentlich ganz charmant. Und ist ja diesmal fender und nicht red bull. Man bekommt so ein bisschen mit, wie die beiden ticken und bekommt ein bisschen unverstärkte Musik auf die Ohren. Im Monarch wird es dann aber sicherlich lauter.
Dachte neulich schon, ich müsste hier mal dieses coole Foto von Alex posten, weil es so tricky ist. Das Foto ist von Lisanne Schulze geschossen worden und die Frau ist, glaube ich, Quasi-Hofberichterstatterin der Sick Girls. Und wie man hier sieht in einer sehr feinsinnigen Art.
Jedenfalls ist gestern bei der Musi Seite von red Bull ein ganz interessantes Interview mit Alex erschienen. Und diese beiden Anlässe zusammen, passen ja wie bekannte Faust – in wessens Gesicht auch immer.
Dabei möchte ich aber mal anmerken, dass ich das Engagement von Red Bull langsam ein wenig überpräsent finde. Aber wahrscheinlich ist es noch trauriger, das bestimmte Teile der Musikkultur nur noch so über die Runden kommen.
Ohh weh, wie hatte ich mich damals auf Shlomp mit Eprom gefreut. Leider hat der Mann den Charme und die Anmutung eines Azubis bei der Dresdner Bank. Und seinem Set war auch nicht mehr wirklich die Freiheit des Albums anzumerken, über das ich mich letztes Jahr so gefreut habe. Jetzt ist der Mann mit Mütze also wieder zurück in Europa und Berlin am 28. September. Im Gretchen, pfff.
Ich bin da wahrscheinlich in Leipzig bei meinem Buddy Hilko. Aber wäre ich in Berlin, dann wäre ich vermutlich doch ins Gretchen gegangen. Denn trotz all meiner Lamenti, diese Platte war einfach super.
Anfang des Jahres hatte ich schon mal kurz über die notwendige Tätigkeit von Female:Pressure geschrieben. Nun gibt es endlich am 12. und 13. September ein Festival im About Blank, welches sich nicht auf die Zurschaustellung von Künstlerinnen reduzieren lässt oder etwaige Bedürfnisse bedienen würde. Stattdessen werden dort Frauen Wortmächtig. Zudem gibt es Einblicke für Einsteigerinnen in Musik- Software und -Technik. Ich finde besonders die Gespräche mit den Veranstaltern anderer Berliner Festivals interessant, auch weil da hoffentlich ein bisschen Kontroverse drinnen liegt. Klar wäre es schöner wenn dies nicht thematisiert werden müsste und sich alle nur auf die Schultern hauen brauchen. Aber weils noch Scheisse ist, dann doch bitte schön in aller Klarheit benennen. Ich versuche am Donnerstag hinzugehen, weil ich am Freitag Morgen beim Zahnarzt auf dem OP-Tisch liege. Also leider nichts Alexandra Dröner und Sarah Farina. Aber ich freue mich neben den Wort-Beiträgen am Donnerstag auch mal wieder Deneh aus Hamburg zu sehen.
Also wird schon klar, ne? Die Veranstaltung sei euch wärmstens ans Herz gelegt. Auf mehr pressure demnächst. Nicht nur hinterm DJ Desk, sondern gerne auch auf dem Dancefloor.