Es sind keine leichten Zeiten, sagt man und ich gehöre zu den Charakteren, die das mit einer ganzen Latte von guten und schlechten Argumenten belegen könnten. Ohne ins Schwitzen zu kommen. Kein Ding. Eben war es schon fast so weit, dass ich mit einem Freund zusammen eine Selbsthilfegruppe gegründet hätte(für durch Selbstmitleid Geschädigte). Aber eigentlich gibt es in meinem Leben schon eine andere Gruppe.
Ich nehme gerne mal 3h Fahrtweg in Kauf, um an den gemeinsamen - naja Sitzungen sind es nicht - ähmm, Treffen teilzunehmen. Jeden Sonntag finden sich im Golden Pudel Club Frauen, Männer und Verrückte (als wenn sich das ausschließen würde) ein, um das erlittende Übel der Woche an der Tür abzustreifen und in das Tal der Glückseligen zu treten.
Scheiße, das ist gelogen merke ich gerade. Denn je öfter man in Szenen eintritt, desto mehr bekommt man ein Auge (mehr) für die großen und kleinen Dramen, die auch "die Szene" bereit hält. Aber gerade jetzt - d.h. eigentlich hat es schon vor Monaten Klick gemacht - gibt es für mich keinen schöneren Ort ,als Sonntags der Pudel. Es ist jetzt nicht jedes Wochenende gleich gut oder gar phantastisch aber so viel besser als ... (könnt ihr jetzt nach belieben einsetzen). Uff jeden Fall geht´s mir gut damit, mich – wenn hier nichts flashed – einfach nach Hamburg zu verpissen. In Bremen elektronische Musik zu finden oder Künstler die killen... ich weiß nicht ... passiert das Einmal alle 15 Jahre?
Jetzt hab ich doch gemäkelt, aber es war nur zu Illustrationszwecken. Ich komm jetzt irgendwann auf den Punkt, gleich, aber vorerst: es gibt sehr gute Gründe diese "Zeiten" zu kritisieren und auch Notwendigkeiten. Nach Hamburg zu fahren, um für ein paar Stunden glücklich herum zu hoppeln ist die Konsequenz daraus. In diesem Sinne gibt es da durchaus Parallelen zu dem Typen da oben, in dem Video. Selbst die Musik ist nicht schlecht. Erinnert halt an Sachen wie Modeselektor, Deichkind oder Erobique. (Die wiederum an an andere Sachen erinnern, aber es gibt auch nichts an Erinnerungskultur auszusetzen.) Gefunden habe ich das Video übrigens bei HelloVagina. Vlt kann man ihre Beiträge für diesen Blog direkt abziehen? Nachrichten aus Österreich könnte die Rubrik heißen. Obwohl das Web ja keine Grenzen mehr kennt.
Übrigens hat dieser Blog Zuwachs bekommen. Frl. Rook berichtet jetzt in variierenden Abständen aus der Berliner Republik. Ihr erster Beitrag kann unter diesem Eintrag bestaunt werden. Und endlich ist dieser Blog mal mit etwas Praktischen bestückt. Each one teach one, Danke!
Aber wie war das jetzt eigentlich am Sonntag.
Möbius hier links im Bild von Mark Pilkington
Pudel fing mit Dieter Möbius schon früher an. Ich stand um 8h beim Pudel auf der Matte, hatte aber dann doch noch Zeit mir etwas Nahrhaftes zu besorgen. Die Kombüse (naheliegend) war zu voll, also habe ich mir die angeblich beste Pide Hamburgs geholt. Und dann hats trotzdem noch ein bisschen gedauert ehe Möbius anfing. Tim (MFOC) hat die Brücke gemacht. Möbius wollte es gerne Leise haben, die Gespräche der Gäste jedenfalls. Machtwort Ralf Köster und die meisten haben gehört. Mir muss man soetwas ja nicht sagen. Praktisch durch die bürgerliche Muttermilch aufgenommen. Das Set selber war sehr Abwechslungsreich. Manche Tracks fand ich besser, andere weniger gut. Irgendwie war es schon eine Reise in die Musikgeschichte. Raven ist gleichwohl etwas anderes. Aber dafür sollte man später noch Gelegenheit haben. Trotzdem gabs wirklich sehr gute Sachen zu hören. Wahnsinnig reduziert zum Teil, fast Mantra mäßig. Das lies sich auch an Erfahrungen mit den frühen Cabaret Voltaire andocken. Sehr schade, dass es davon keinen Live Mitschnitt gibt. Bis dann Ikonika losgelegt hat, verging einige Zeit. Der Flug hatte Verspätung. Tim hat wieder vermittelt. Es wäre aber schon spannend gewesen, diese zwei Welten von Kraut Elektronika und Dubstep aufeinander treffen zu sehen. So blieb es beim Shake Hands. Davon mal abgesehen, weiß ich gar nicht, ob es im Interesse der Musiker gewesen wäre. Ikonika hat schon einen sehr professionellen Eindruck gemacht. Meine Erwartungen waren nicht übermäßig groß aber ich wurde richtig weggeblasen. Ich denke Ikonika hat schon eine gewisse Sonderstellung, nicht nur weil sie eine weibliche Producerin ist. Ihr Sound ist einfach nicht so kompatibel zu den gewöhnlichen Dubstep Hörgewohnheiten. Tendentiell vertritt sie auch eher diesen Technoiden Sound. Und so fing das Set dann auch an. Auch wenn der Pudel gut gefüllt war, blieb viel Platz zum tanzen. Irgendwann waren nur noch die Enthusiasten übrig. Das waren aber immer noch genug, um die Veranstaltung nicht mit einem Kaffeekränzchen zu verwechseln. Zu Recht blieb man, denn das Set von Ikonika entwickelte sich unheimlich dynamisch. Irgendwann kamen die richtig deepen Bässe und zum Schluss wurde es ordentlich dirty mit Ghettotech und ähnlichen. Yeah, Ghettotech! Das Set hat wirklich von fast allem etwas zu bieten. Das ist aber auch kein Wunder. Ich glaube die Leute aus England gehen durch eine verdammt harte Schule. Schließlich wird POP in dem Land groß geschrieben. Zum Ende war ich mal wieder bis auf den Schlüppi nassgeschwitzt. Aber schlau wie ich bin, schön Wechselkleidung mitgenommen. Und am Hamburger Bahnhof am Gleis war dann auch noch Zeit, die Hose zu wechseln. Also wenn ihr am Montag Morgen am Hamburger Hbhf einen Typen die Hose wechseln sehen habt, dass muss ich auf meine Kappe nehmen. Aber drauf geschissen, dass ist doch so ein Abend allemal wert.
1 Kommentar:
das hört sich gut an.
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