Vielleicht – oder besser – ganz sicher könnt ihr euch an die Szene aus Trainspotting erinnern, in der Mark Renton seinen Zäpfchen durch die Toilette hindurch verfolgt. Für mich war das immer ein Sinnbild, für die Vorteile dieser Zuführungsform von "Medikamenten".
Die letzten zwei Wochen hab ich den Großteil meiner Zeit in der Bibliothek verbracht. Das ich nun mehr als 5 Wochen nicht mehr tanzen war, sollte denjenigen die mich kennen zu denken geben, spricht Bände. Aber darum solls hier nicht gehen. Denn für was man sich wirklich beginnt zu interessieren, wenn die Bücher gar nichts mehr hergeben, sind die nervösen Störungen und Ticks der Anderen. Nichts das man darauf achten müsste, sie drängen sich ja praktisch auf. Und anstatt Mitleid für die anderen zu entwickeln, möchte man jeden Tick mit einer Ohrfeige belohnen. Aber irgend wie auch Langweilig über die Macken der anderen zu sprechen. Ich zum Beispiel reagiere seit frühester Kindheit psychosomatisch (so heisst das ja wohl) auf Stress. Meiner Erinnerung nach, war das erste mal der Flucht vor dem Leistungssport/Geräteturnen geschuldet. Okay die Krämserfahrt zum ersten Mai war schon gut aber der ganze Rest vollkommen überfordernd. Irgend wann haben sich die Bauchschmerzen zu einem gesellt. Der Sport brauchte aber nur mich, also war´s mit dem Leistungssport erst einmal essig. Aber statt dem Sport kamen dann die Schulerwartungen. Der Schule ist es egal, ob du allein oder zu zweit oder zu wievielt auch sonst kommst, solange du auf einen Stuhl Platz hast. Irgendwann ist der Onkel Schmerz aus den Bauch in den Kopf gezogen. Vielleicht ist er dann auch wieder zurück und dann hin und her gewandert. Ich weiß es nicht mehr. Ich habe weder für den Onkel, noch für mich Tagebuch geführt. Auch wann sich mein erster und hartnäckigster Tick entwickelt hat, weiß ich nicht mehr. Irgendwann hab ich angefangen mit den Schultern zu zucken, die Oberbekleidung mit ihnen zurecht zu werfen/rücken. Ob das so auffällig ist, weiß ich gar nicht so genau. Ein solcher Tick zeigt sich nicht jeden und jeder. Aber nicht weil es dem Tick peinlich ist. Ich glaube ich bin in Gesellschaft einfach nicht so sehr auf mich zurück geworfen, was ein Grund des Ticks sein könnte. Möglicherweise leistet er mir Gesellschaft, wenn niemand anderes es tut. Obwohl ich am Essenstisch meiner Eltern ganz gerne meine Schultern umherwerfe. Ihre Ermahnungen und die meiner Großmutter vorher, hat nie an dieser Verhaltensweise etwas ändern können.
Meine neueste Errungenschaft ist ein Klos im Hals. Ich glaube gute 3 Jahre schon. Wenns schlimm wird, wächst der sich zu einem Würg- oder sogar Brechreiz aus. Normalerweise muss ich mich aber nur räuspern. In Anwesenheit von anderen, in Gesprächen, kann ich darauf meist verzichten. Mir war diese neue Macke eigentlich auch eine ganze Zeit recht symphatisch, weil Heiner Müller das wohl auch hatte. Kann bei Ihm aber auch der Krebs gewesen sein und schreiben tue ich ja deshalb auch nicht wie er – aber als phantasmatische Stütze nicht schlecht, die Vorstellung. Vor zwei Jahren war ich mal beim Hals Nasen Ohren Arzt, der ist mir ein bisschen ruppig mit seinen Instrumenten in die Organe und weil es kein Lätzchen oder sonst was gab, hab ich mich gleich ein bisschen selbst bekotzt. Nicht viel aber soviel das ich echt genervt war. Der Arzt hat mich nach Hause geschickt. Kann man ja nichts machen außer vielleicht noch ne Magenspiegelung. Kannte ich noch aus Kindertagen und habe dankend abgelehnt. Dann doch lieber die Selbstdiagnose Wahnsinn. Jedenfalls wenns so richtig stressig wird und ich vielleicht noch ein bisschen erkältet bin, schaltet die Nahrung auf den Rückwärtsgang. Manchmal kommt nichts, manchmal wenig, manchmal fast die komplett Ernährung. Also die letzten zwei Wochen extrem stressig weil heute bzw. gestern schön 4h Prüfung. War ganz stolz, das ich das Kotzen auf nicht mal alle zwei Tage begrenzen konnte und meist auch nicht soviel kam. Meist ein bisschen Müsli und jeder kann sich Vorstellen, das geht so gut raus, wie es reingeht und sieht auch quasi genauso aus. Bei Toast nicht ganz so, von Natur aus ein bisschen trockener. Für den Arzt alles gleich schlecht, weil die Magensäure ein jedes mal dabei, also zusätzliche Reizung des Halses etc.
Kompliziert wurde es, als ich zwischendurch die Verträglichkeit der Lerndroge getestet habe. Weil kennen wir aus dem Sport, es geht nichts mehr ohne Doping. Nun – um auf den Anfang zurück zu kommen – ist eine Tablette kein Zäpfchen. Also ungern das einmal ausgeschiedene Retour. Beim Antesten gings einigermaßen gut. Vorerbrochale Berühigung. Tablettchen blieb drinne und tat seinen Dienst. Ob als Placebo oder reell weiß ich nicht, ist mir aber auch egal.
Heute, nein gestern, dann der große Tag. Der Brechreiz praktisch mit dem Moment als die Füße den Boden berührten eingesetzt. Bloß gut, dass meine neue Mitbewohnerin einen guten Schlaf hat.
Jetzt aber neue Erfahrung, brechen ohne Mageninhalt. Das kann ich nicht weiter empfehlen. Da ist raus und Schluß schon besser. Die halbe Tablette mit dem Frühstück eingenommen, Latenzzeit usw. Zähne putzen ausfallen gelassen, weil defacto Kotz Garantie. Bis zum Auto gings gut und im Auto auch. Aus dem Auto raus, nimmt das Essen Fahrt auf. What´s come down, must come up. Den Weg NW1 zum Getränkeshop dann alles wieder raus. Im Laden dann schon wieder fast alles in Ordnung. Hatte bloß Schiss auf dem Rückweg auf der gefrorenen Kotze auszurutschen. Ist aber nichts mehr passiert. Nee, nur weil man darüber schreibt oder spricht, da fühlt sich der Tick nicht erwischt. Morgen früh steht er wieder mit mir auf und vielleicht schauen wir uns mal in der Bibliothek um, ob wir noch was anderes aufgabeln können. Vielleicht was mit Bein hinterher ziehen. Aber darüber soll man ja nicht scherzen. Meine Tante konnte ja auf Grund einer Nervenreizung nicht mehr ihre Hand bewegen oder nicht mehr so wie sie wollte. Gehört aber nicht richtig zur Familie – also nichts mit Genen, Vererbung und Sorgen. Obs wahr ist oder nicht, ist doch egal. Bis hier her habt ihr durchgehalten. Euch bekannte Ticks (meine eure bekannte) bitte in die Kommentare.
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