Donnerstag, 3. November 2016

Discogs professionalisiert sich oder seine Nutzer


Discogs ist eine tolle Plattform und wächst nicht ohne Grund. Damit nimmt natürlich das Geschäft über die Plattform zu und damit auch die Probleme. Denn wo zwei Parteien miteinander handeln, fühlen sich nicht selten beide Parteien betrogen. Jedenfalls dann, wenn nicht einer von beiden tatsächlich ein krummes Ding gedreht hat oder zumindest ein unsauberes. 
Zwei Probleme sind dem Online-Handel mit Gebrauchtgütern immanent. Zum einem die Bewertung des Zustands, zum zweiten der Versand. Selbst bei guten Absichten, dürfte es fast unmöglich sein bspw. 1000 Schallplatten in einem absehbaren Zeitraum durchzuhören, um deren Klangqualität zu bestimmen. Deswegen wird zumeist per Sichtung bewertet, wo es um größere Mengen geht. Es ist ein Treppenwitz, dass der Käufer von Schallplatten, diese mindestens um einen Grad schlechter bewertet hätten. Und der Verkäufer das naturgemäß anders sieht. Ich tue mich deshalb selber schwer, was das bewerten von Schallplatten angeht und verkaufe bisher keine Schallplatten online. Ich wäre wohl auch zu ehrlich und würde mich unendlich über Beschwerden ärgern. Deshalb wollte ich mal Mario ZFE bitten, meinen Kram zu bewerten. Er weiß davon bisher aber noch nichts.
Discogs weiß selbstverständlich um diese Problematik und bemüht sich deshalb mit Hilfe seiner Nutzer_innen und in Kampagnen für Aufklärung bzw. gemeinsamen Standards zu sorgen.
Mir ist das nicht unrecht auch wenn es an dem grundsätzlichen Problem nichts ändern kann. Mir sind jedenfalls in den vergangenen Tagen zwei Kampagnen aufgefallen. Zum einem zum Thema grading hier und zu Verpackung und Versand hier. Viel Spaß bei Discogs. 

Freitag, 21. Oktober 2016

Hootsuite

Ich setzte mich ganz allein hier auf Grund eines Tipps mit Webtool Hootsuite auseinander und versuche auch sonst, andere Medienportale die ich nutze miteinander zu verknüpfen, um mehr Menschen zu erreichen aber dabei weniger Aufwand betreiben zu müssen. Ziel ist es immer noch, eigene Inhalte zu featuren und nicht so sehr die Sachen von Anderen. Die natürlich auch und gerne und am liebsten, wenn es sich bei den Leuten um Freunde und Menschen handelt, die mir sympathisch sind. Mal sehen, was demnächst so geht.
Chiao,

hg 

Freitag, 25. Dezember 2015

Schallplatten, der ganz normale Wahnsinn der industriellen Kulturproduktion


Ich bin nicht nur Musikfan. Nein, viel Schlimmer, ich bin Plattensammler. Davon gibt es dann noch einmal verschiedene Typen. Ich gehöre zu den Schatzsuchern. Und gehöre damit vermutlich zu den irrationalsten Typen unter den Plattensammlern. Aber es macht mir Spaß, mich durch Kisten schmutziger Platten zu graben, immer in der Hoffnung die eine Platte zu finden, von der ich vielleicht noch nicht einmal weiß, dass sie existiert. Momentan ruht dieses Hobby ein bisschen. Aber wenn ich in anderen Städten bin, nutze ich die Gunst der Stunde. In Kassel mag ich besonders das Lost & Found (hat nichts mit dem gleichnamigen Label zu tun). In Kassel habe ich ein paar Tage bei meiner Schwester im Kreise der Familie verbracht. Selbstverständlich bin ich auch für ein paar Stunden in den Plattenläden abgetaucht. Ich war nicht so supergut drauf und es sah auch so aus, als würde es nur ein okayer Einkauf werden. Ein paar Platten die man mitnimmt, weil sie günstig sind, aber die man nicht unbedingt braucht. Gefreut habe ich mich, weil ich von der Endtroducing von Dj Shadow eine Platte in ner Papiertasche gefunden habe. Mit der Platte verbinde ich meine Anfangszeit in Bremen. Von Hilko habe ich mir die Platte auf eine MiniDisc gebrannt und habe wiederholt Fahrradtouren um den Werdersee gemacht, mit Dj Shadow im Ohr. Egal, besser wäre es natürlich gewesen, wenn ich nun vor zwei Tagen beide Platten der Doppel_Lp gefunden hätte. Aber dann wäre sie wohl auch in der Originaltasche gewesen und hätte einiges gekostet. So also für kleines Geld, wenigstens die eine Platte. Beim durchhören habe ich ein nahe liegenden 7" Plattenhaufen umgekrempelt. Mir wäre beinnahe das Herz stehen geblieben, als ich die Single zu Funnel of Love von Wanda Jackson dazwischen gefunden habe. Ich liebe das Lied aber die Single ist selten und bisher hatte ich sie noch nie irgendwo angeboten gesehen. Außer auf Discogs aber da war sie mir zu teuer gewesen. Ich kannte also das Lied schon und trotzdem ist der Blitz eingeschlagen und die Hände wurden zittrig. Gleich als nächstes die Platte aufgelegt. Und..........kurz nach dem Anfang ist sie gesprungen. :-( Mist, dass war ein bummer. Noch einmal von Anfang gespielt und wieder gesprungen. Buhuhu. Für normal erhalten hätte ich bestimmt auch 15€ gezahlt. Aber so war mein Enthusiasmus doch erheblich gebremst. Anderseits konnte ich mich doch selbst dabei beobachten, wie ich mir den Kauf schön geredet habe. Letztlich ist es besser eine geliebte Platte von nicht so guter Qualität zu besitzen, als gar nicht. Und ich hatte noch einmal Glück, an diesem Tag, denn der gute Mann bei L&F hat mir die Single zu meinem restlichen Kauf so mitgegeben. Das ist mir nicht zu ersten Mal passiert. Ich glaube, dass ist auch so eine Standardhandlung von Plattenhändlern. Selber ticken sie ja ähnlich, wie ihre Kundschaft. Sie schmeicheln also dem Wahnsinn der Kundschaft, geben diesen Futter, wissen aber auch, es rechnet sich Hintenrum. Der Affe wird für das Stückchen Zucker, immer wieder zurückkehren. Und wie gesagt, der Laden ist so aufgebaut, dass man irgendetwas bestimmt findet, was an einem hängen bleibt. Jetzt bin ich wieder in Berlin, und habe somit die Möglichkeit mal durch die Platten zu hören, welche es von Kassel nach Berlin geschafft haben. Über die Wanda Platte, habe ich mal mit meinem Zaubertuch gewischt. Naja, der eigentliche Zauber besteht in der Waschflüssigkeit und auch der größeren Toleranz meines Schallplattensystems, denn ohh Weihnachtswunder, die Platte springt hier nicht! Wenn ihr euch also wie meine Eltern fragt, woraus sich mein Wahnsinn speist, dann wisst ihr nun, aus Geschichten wie diesen. Etwas seriöser recherchiert, ist der Wahnsinn hier in dem Buch Plattenkisten vom Ventil Verlag, dass ich mir von meinen Eltern gewünscht und geschenkt bekommen habe. Ich glaube für Diggers ist das alles nicht neu, was darin steht aber die Bilder im Buch sind sehr gut und sehr präsent. Ein Interview mit Plattenpedro ist auch drin. Sein Laden habe ich vor fier oder fünf Jahren in Berlin entdeckt und er gehört zu den verrücktesten, die ich je gesehen habe. Allerdings ist das ein Laden, in den geht man, um eine bestimmte Auflage von Platte XY zu kaufen. Und so suche und kaufe ich eben eher selten, deswegen war ich auch erst einmal dort. Und von mir um die Ecke liegt er auch nicht.
Was ich an dem Buch übrigens nicht so gut finde, dass es keinen "Artikel" gibt, der es schafft das Schallplattenphänomen systematisch zu erfassen und damit für Kritik öffnet. Das ist mir wichtig und damit wäre dann auch umrissen, welche Formen das Nischenprodukt Schallplatte oder auch andere analogen Medienträger in Zukunft annehmen werden. Jedenfalls unter kapitalistischen Bedingungen. Der Zauber des Diggens würde damit nicht verloren gehen. Aber vielleicht würde dadurch die Frage in den Fokus geraten, wie wir in Zukunft leben wollen. Das ist nicht immer ein explizites Thema von Kulturproduktion, wie bspw. dem musizieren, aber immer doch auch ein implizites. 

Donnerstag, 3. Dezember 2015

Miss Red hit the floor


Ich finde den Track ganz schön, das Video nicht über die Maßen. Irgendwie ist es doch auch traurig, dass selbst wenn nur Frauen zusammen kommen (Das Video ist von zwei Frauen gemacht, Aviya Wyse und Yaara Agnon produziert), ein Zwang zu existieren scheint, mit Möpsen Aufmerksamkeit erheischen zu müssen. Das Video will natürlich clever sein, und stellt den männlichen Blick als einen phantasierenden/lüsternen heraus. Zum Ende des Videos tritt eine popaffine aber normale Künstlerin aus der imaginierten Hexenküche ins reale Tageslicht. Die eigentlich kritisierte Politik des Blicks wird, unter einer "neu" hinzukommenden Prämisse (Ironie), lediglich fortgeschrieben. Dabei tragen die Bilder vom Dachboden eigentlich eine eigene Geschichte und sind weit weniger verbraucht, wie das Arrangement in und um der Badewanne herum oder in der Küche. (Obwohl die Raucherin sehr gut dabei aussieht, wenn das Papier sich entzündet.) Nackt müsste derweil niemand sein.
Ich glaube, ich muss nicht betonen, dass ich kein Problem mit Nacktheit habe. Soviel Protestantismus können sich nur ganz wenige Menschen in der heutigen Zeit bewahren. Aber sie macht in den wenigsten Fällen dramaturgisch Sinn. Vielmehr stellt sie die graduelle Unterwerfung des größten Teils der Pop-Kulturindustrie, unter das Paradigma der männlichen Herrschaft. Welche vielleicht selber viel stärker imaginiert, als real ist. Ähnlich verhält es sich bei dem noch expliziteren SXTN Video. Wie gesagt, alles kein Ding für sich genommen. In der Masse dürfte sich das vermeintliche Alleinstellungsmerkmal als ein Trugschluss heraus stellen.
Miss Red würde ich mir aber live wieder anschauen. Beim Rec. Room im August hatte ich sie verpasst aber irgendwann davor mit The Bug im Ohm gesehen, vlt. auch mal im Trickster. Ist ne Rampensau aber das schadet einer Party eher selten. Rec. Room (mit oder ohne Miss Red) gibt es übrigens wieder am 17.12. im Ohm. Einer der relaxtstisten Partys in Berlin. Verstehe gar nicht, wieso me aka DJ Schleppscheisse da nicht auftritt. Berlin ist echt n hartes Pflaster, für so stille Menschen wie mich.

Sonntag, 4. Oktober 2015

teilah der kreator

Ist mit drei Tagen online wahrscheinlich schon alt. Aber das bin ich auch. Das shirt design ging schon vor ne weile durch´s Web. Das aus dem Video selbstverständlich. Musik und T-shirts ist ja ehh so n ganz wichtiges Ding. Und ich hätte es schon ganz gerne. Weiß nicht, ob ich es in Berlin tragen würde aber für Neuruppin wäre es ideal.  

Mittwoch, 1. Juli 2015

Willkommen im Tollhaus (zwei)

Ich habe schon einige Freunde gefragt, ob sie mir nicht beim füllen dieses Blogs helfen könnten. Ich glaube die meißten fühlten sich dadurch geehrt, aber niemand hatte Lust und wohl auch Zeit, dies zu tun.
Dabei glaube ich schon die richtigen Leute gefragt zu haben. Zum Beispiel hat mich Ann Madeleine darauf hingewiesen, dass ein zweiter Teil von Willkommen im Tollhaus (Was ja eigentlich eine bescheuerte Übersetzung des Orginal Titels ist) in Arbeit ist. Ich halte ja Todd Solondz für den besten Regisseur des gegenwärtigen amerikanischen Erzählkinos. Niemand stellt die realität unironischer dar, als er. Wir lachen zwar unablässig aber nur zur inneren Abwehr vor dem einbrechen der Realität. Über die Verknüpfungen der Filme von Solondz habe ich erst in dem Artikel oben zum ersten mal gelesen. Und den letzten Film hatte ich ohnehin verpasst. Aber diese Nachricht macht doch Lust, dass demnächst nachzuholen. Fehlt eigentlich nur noch ein lieber Mensch, der mir mit diesem Blog hilft, verdammt.

Freitag, 15. Mai 2015

Doku um einen Moment zur Ruhe zu kommen


Auch wenn diese Doku schon einige Jahre auf dem Buckel hat, ist ihr doch anzumerken, wie viel Mühe in den Schnitt und die Dramaturgie gelegt wurden. Und ganz sicherlich auch in die Wahl der Musiker und Musikerinnen. Ein sehr schönes Dokument.

Bremen-Berlin im Mensch Meier

Da braut sich was zusammen. Heute Abend sind die ganzen Bremer Atzen also in Berlin, und Bremen selbst wird wie ausgestorben sein. Ich finds gut, weil ich lieb gewonnene Menschen endlich mal wieder sehe, ohne selbst nach Bremen fahren zu müssen. Und dann auch noch feiern und tanzen. Was will ich mehr? Das die Hütte voll und die Stimmung ausgelassen wird. Bis später!

Montag, 11. Mai 2015

Ein Labelrundgang bei Moniker Eggplant


Diesen Text habe ich ursprünglich für BLN.FM geschrieben. Aber nach eineinhalb Jahren warten, reicht es dann auch einmal. Womöglich passt der Text ohnehin besser auf meinen Blog. Zeitformen habe ich versucht der Gegenwart anzupassen, ist aber nicht ausgeschlossen, dass sich noch hier und da ein Fehler versteckt ;-)

 

Da wo die Auberginen wachsen, Moniker Eggplant


Was liegt näher als die Berliner Kultur-und Musikszene mit einem Garten voll von Früchten und Gemüse zu vergleichen. Für jeden Geschmack schießt hier etwas in die Höhe oder wächst in die Erde. Von allem ist etwas dabei, in unterschiedlichen Mengen und Größen. Pflaumen nebst langem Spargel, vom faulen Apfel bis zum behäbigen Kürbis. Manches Gemüse wächst das ganze Jahr und wieder anderes ist nur Saisonal zu haben.
Möglicherweise hat eine besondere Leidenschaft für Auberginen dazu geführt, dass das Label Moniker Eggplant eben jene Frucht als Referenz im Namen und Logo trägt. Vielleicht sehen die Labelmacher Lorenz Erdmann und Johannes Maibaum aber auch eine Verbindung zwischen dem herben Geschmack dieses besonderen Gemüses und der Musik die sie verlegen.

1.       Das Label
Das Berliner Label Moniker Eggplant veröffentlicht seit Oktober 2012 unterschiedliche Tonträger. Hervorgegangen ist es aus einer Gruppe von Musikern die das Open-Air-Projekt Be-Cycle initiierten. Be-Cycle war ein mobiles DJ-Fahrrad, welches nach eigenen Aussagen „berlinweit für freie und offene Musikperformances“ im urbanen Raum sorgte.
Lorenz Erdmann erinnert sich:
„Auf dem Be-Cycle lief tatsächlich sehr diverse Musik. Artists, die jetzt auf Moniker Eggplant veröffentlichen, wie Dingy Dysu, ILL_K oder Shins-k haben dort aktuelle musikalische Entdeckungen präsentiert und bei der Fête de la Musique oder am 1. Mai im Görli durchaus viele Menschen zum tanzen gebracht, als dies bzgl. Ordnungsamt noch leichter möglich war. Ansonsten hatten wir aber auch Techno/House DJs wie dem Be-Cycle-Gründer DJul oder MVL, welche jetzt Work-Mitgestalter sind - einer Veranstaltungsreihe im OHM.“

Um dem ihrem um das DJ-Fahrrad herum entstehenden Netzwerk eine beständige und weitere Plattform zu geben, gingen Maibaum und Erdmann dazu über, ihre und die Musik einiger Freunde im eigenen DIY-Label Moniker Eggplant zu verlegen. DIY steht für Do It Yourself und umschreibt u.a. eine bestimmte Praxis als auch Ethos des Verlagswesens. Unabhängig von großen Majors wollten, und möchten noch, Künstler und Verleger ihre Arbeiten produzieren und vertreiben. Entsprechende Szenen etablierten sich bereits Mitte der 1970er Jahre unter dem D-I-Y Codex. Diese Dezentralisierung der Kulturproduktion kann man durchaus als ein Werkzeug der Demokratisierung lesen. Zudem resultiert aus dieser Praxis eine eigene Ästhetik, dazu gleich mehr.

2.   Veröffentlichungen und Labelumfeld
Am 25.04.2014 ist die erste 12“ Vinyl EP des Labels unter dem Namen Sonic Carpaccio erscheinen. Auf diese folgte im Juni vergangenen Jahres eine Veröffentlichung von Leise im Kran im Kassettenformat.
Neben digitalen Downloads, 7“ Vinyl-Singles und CD-R Produktionen sind dann so ziemlich alle gegenwärtigen Distributionsmittel für Musik bedient worden. Trotzdem sucht das Label nach immer neuen Publikationsmöglichkeiten:
„Wir suchen nach ungewohnten Medienverbünden und denken über 7"-Bücher oder Tape-trommeln nach. Wie dies umzusetzen ist, wird sich noch heraus stellen. Generell sind die 7"-Singles für Produzenten und einzelne herausragende Tracks vorgesehen. Wir sind gerade dabei, die nächste 7" zu erdenken und sind dazu am überlegen, diese in Kooperation mit einem anderen Label zu veröffentlichen.“
Die wichtigsten Produkte der bisherigen Labeltätigkeit von Moniker Eggplant waren aber sicherlich die drei CD-R Compilations Mashed Eggplants Vol. 1 & 2 und Recipes of Reconstruction. Diese drei Compilations können durchaus als Porträts eben jener weit verzweigten Musikszene gesehen werden.
Auf den ersten beiden Samplern sind insgesamt 27 Musiker vertreten. Diese kommen neben Deutschland, unter anderen aus der Schweiz, Finnland, Japan und Australien. Die CD-R Recipes of Reconstruction steht neben den Netzwerkcharakter des Labels zudem für das Verhältnis, welches die Musiker unter einander pflegen. Hier haben sich 16 Musiker die Mühe gemacht ebenso viele Songs der Mashed Eggplants Compilations zu remixen. Dieses Engagement ist durchaus im Sinne des Labels und geht auf deren Initiative zurück. Allerdings kennen sich auch viele Musiker schon länger und aus ähnlichen musikalischen Zusammenhängen.
Beispielsweise beliefert der Musiker Istari Lasterfahrer aus Hamburg, mit seiner Musik und seinem Label Sozialistischer Plattenbau, die Musikszene seit über 15 Jahre mit Tonträgern. Viele der Platten können den Genre Breakcore und Raggacore zugeordnet werden. Den disparaten Ursprüngen der Breakcoreszene und deren Fortentwicklungen widmet sich der Musiker und Verleger bis heute.
Von Berlin aus vertreibt der finnische Musikproduzent Mesak elektronische Musik aus Skandinavien. Unter anderem die Produkte des Label Harmönia, welches er mitbegründet hat. Für deren Klänge hat sich in der Musikwelt der Begriff Skweee etabliert. Dieser Begriff bezeichnet eine Musik, die mit Hilfe analoger Synthesizer dem Dubstep mal mit Funk und mal mit Polka zu Leibe rückt.
Wiederum weiter südlicher, nämlich Leipzig, dort ist der Musiker LXC und sein Label Alphacut beheimatet. Dieses Label hat mit seinen diversen Unterlabeln bisher gut 50 verschiedene Titel veröffentlicht. Der Schwerpunkt liegt hier auf tricky Drum´n´Bass, Dub und Dubstep. Zusammen mit Moniker Eggplant hat Alphacut die 7“ Single von Lorenz Erdmann und Niklas Meier „Meier & Erdman: Toxic Scythe - A Grass-reaping Self-sharpener In Two Parts realisiert.
Man kann in dem Label Moniker Eggplant also durchaus auch einen Ort von und für Musikenthusiasten sehen.

Musik:
Auf ein bestimmtes musikalisches Genre wollen oder können sich Moniker Eggplant nicht festlegen. Trotzdem lässt sich innerhalb der aktuellen Releases durchaus eine thematische Klammer entdecken. Das große Dach, unter dem sich diese Gemeinschaft zusammenfindet, ist das der experimentellen elektronischen Populärmusik. Was bedeutet das? Jedenfalls kein generelles Verbot von akustischen Instrumenten. Aber vielleicht doch eine Tendenz Musiker wie Aphex Twin, Luke Vibert oder Bogdan Raczynski wie Säulenheilige zu verehren. Wer also die Musik der englischen Labels Warp oder Rephlex mag, sollte sich mit dem Label Moniker Eggplant durchaus anfreunden können. Im Gegensatz zu deutschen Labels wie Hausmusik, mit denen Moniker Eggplant das händische Arbeiten teilt, ist die Musik hier aber weniger song- bzw. wortlastig.
Ganz auf Verbalisierungen verzichtet man dennoch nicht. Zum Beispiel im Fall des Songs Superfreak von X.A.Cute und Infinite Livez. Auf Grund der Rhymes des in Berlin lebenden (immer noch?) East-Londoner Infinite Livez (Steven Henry) bleibt einem jegliche Betulich- oder Peinlichkeit erspart und stattdessen gibt´s einen aufgeschraubten Grimehit auf die Ohren.
Was für hiesige Ohren experimentell klingen mag, hat also durchaus eine Musikgeschichte und mag für Andere vertraut und eingängig klingen. Der Begriff der Experimentalität sollte deshalb nicht übermäßig auf Rhythmik und Tonalität beschränkt werden.
Lorenz umschreibt ihr Experimentierfeld deshalb wohl folgendermaßen: 
„Ich zähle die Experimente in der Küche (für unsere Rezepte), die musikalischen Experimente der verlegten Künstler, wie auch die Art und Weise, wie wir veranstalten und letztlich wie wir releasen dazu.“
Der Begriff des „Experimentierens“ ist also auf verschiedene Formen von Praxen anzuwenden. Dazu gehört, dass mit jedem Release das Rezept für ein Auberginengericht oben drauf gegeben wird. Beim musizieren wird dann eher auf Synthesizer und Hardware als auf ausgiebiges Sampling gesetzt. Ebenso bemühen sich die Musiker um eine gepflegte Improvisationshaltung oder experimentieren mit musikfernen Geräuschquellen. Das können transformierte Programmcodes genauso sein, wie Kinderspielzeug.
Foto: Nancy Göring

 Da wo Musik-Samples eingesetzt werden, geht es nicht selten um Verweissysteme, also das featuren von bestimmten Musikszenen oder musikalischen Vorbildern. Dies geschieht mal mehr, mal weniger versteckt.
Recht anschaulich beschreibt der Musiker Ill_K seine Arbeitsweise, er ist einer der vier Künstler, die auf der kommenden EP Sonic Carpaccio vertreten sind.
„Wenn ich unterwegs bin, sammle ich viele meiner Samples mit dem I-Phone. Das klingt für hoch-frequente Sounds ganz okay, oder für das Rauschen der U-Bahn. Ansonsten arbeite ich mit Mikrophonen und ner Soundkarte, aber das vorwiegend Drinnen. Ich sample auch gerne von Platten, aber eher mit extrem verlangsamte Aufnahmen oder nur das Plattenknistern. Zum arrangieren etc. nutze ich am liebsten Reason 7 von Propellerhead. Hardware benutze ich eher selten. Ich habe noch einen alten Mixer mit dem ich gerne Feedbacks erzeuge und diese dann resample, aber das meiste findet digital statt."
Ill_K kommt ursprünglich aus Bremen und ist dort im Boombastic Store und Clubs wie dem Tivoli und Ting mit Jungle und Drum´n´Bass in Berührung gekommen. Das auflegen und produzieren hat er sich zum größten Teil autodidaktisch beigebogen. Und mit der Dubspin Crew hatte er seine eigene Dubstep Posse und Veranstaltungsreihe. Das war auch noch in der Hansestadt. Heute sieht man ihn vor allem in Berlin, in Läden wie dem ://about blank, Subland und Rosis. Aber auch in Keller Clubs wie dem Trickster.
Mittlerweile versucht er sehr verschiedene Genres zu bedienen oder auch zu verbinden, wie Dubstep und Noise, Drum´n`Bass und Drone Musik. In seinen aktuellsten Produktionen beschäftigt er sich aber vor allem mit elektronischer Musik, die um die 170 bpm Marke oszilliert. Ein spezifischer Genrename hat sich für die Musik noch nicht etabliert aber bestimmte Künstler lassen sich damit schon verbinden, meint Klaas aka Ill_K:
"Viele bekannte Leute würde ich in die 170er Sparte packen. Dbridge, Skeptical, oder auch Labels – die für mich sehr viel gute Sachen machen – wie z.b. Samurai Music mit Artist wie Elemental, ENA, SAM KDC, ASC. Einen direkten Namen habe ich für das Genre nicht. Was vielleicht auch ganz gut ist. Kein Name, keine Regeln."
Ill_Ks´s Track Psalmus auf der EP Sonic Carpaccio hat mit diesem Genre ohne Namen aber lediglich die Düsternis gemein. Auf 170 bpm kommt das gute Stück nicht und hat sich stattdessen bei 140 bpm eingependelt. Anfänglich erklingen späherische Synth-Linien, dann schiebt sich vorsichtig die Bass-Drum in den Song, begleitet von minimalen Klavierläufen. Pause.
Die Sphärischen Klänge haben die Temperatur geändert und sowohl Tempo als auch Rhythmik werden nun von einem ruhigen 2step Beat getragen. Etwas versteckt aber doch irgendwie tricky das Geräusch, welches wie das Schnappen sehr vieler Scheren klingt. Dieser zweite Teil wird noch einmal wiederholt werden und der Song klingt dann in einem Rauschen aus.
Wie die Elemente für diesen Track entstanden sind, erklärt uns der Musiker selbst:
"Ich hab die Percussion aus Vinylknistern und zerbrechendem Glass gemacht. Die Sub hab ich aus einer Feedbackschleife von meinem Mixer gemacht. Dazu noch ein Klavier im "Shangl Hangl" aufgenommen und gesampled, welches ich mit ein paar Atmos von der U-bahn unterlegt habe. Die Drums sind auch zum Teil gesampled."
Der Wuseng Dub von Memory9, mit dem die EP startet, wird im Wesentlichen seinem Namen gerecht. Die prägnanten Unterschiede zum klassischen Dub liegen vor allem in der höheren Geschwindigkeit, aber vor allem in der gehauchten Synth-Melodie.
Ohne diese Synth aber genauso düster ist der Track Never Been von ENA. Fast schon stolpernd schieben sich hier die minimalen repetitiven Beats dem Ende des Tracks entgegen. Im letzten Track Shadowborn von Ibunshi flirren die Synth auf Höhe der Horizontebene. Im Vordergrund stampft das Instrumentarium eines Jungle Tracks so langsam, dass der Song wie ein Hybrid aus Drum´n´Bass und Dubstep wirkt.
Insgesamt werden diese vier formal recht unterschiedlichen Tracks vor allem durch ihre Klangfarbe zusammengehalten. Es scheint so, als hätten sich alle vier Produzenten an englische Downbeat Nummern der 1990er Jahren, als ihren gemeinsamen Fixstern orientiert. Hier und heute paart sich relativ ungestüm die Melancholie mit einer gesunden Portion Düsternis. Die schleppenden Beats weichen nur streckenweise dem Impuls eines treibenden Rhythmus. Das alles ist so gemixt, dass es kurzweilig klingt, eben wie eine gute Vermählung von Popgeschichte und Gegenwärtigkeit.

3.Layout:
Wie bereits angedeutet, leitet sich aus dem DIY Ansatz des Labels auch eine spezifische Ästhetik. So wie bei den frühen Veröffentlichung des Labels Hausmusik, geht auch bei Moniker Eggplant noch jedes Produkt durch die Hände ihrer Produzenten. Die besprochenen Sampler werden in einem schlichten Pappkarton veröffentlicht, der von einem fetten Stempeldruck geschmückt und mit einem Auberginenrezept bestückt ist. Die Cover der bisher erschienenen Singles sind zwar nicht gestempelt aber dafür im Siebdruckverfahren hergestellt, also reine Handarbeit. Auch wenn die Beipackzettel zur CD nicht mehr selbst gedruckt sind, erinnert zumindest deren Layout noch an die guten alten Zeiten der Schreibmaschine und des mit Tinte verwischten Millimeterpapier.


4. Aussicht
Mit den drei Compilations haben Moniker Eggplant es sich selber nicht ganz einfach gemacht. Als normaler Musikhörer – der sich nicht mit aufwendiger Recherchearbeit beschäftigen möchte – bekommt man gleich über ein Duzend guter Tracks geliefert, die Einzel- bzw. Folgeveröffentlichungen wünschenswert machen. Dabei ist nicht zwangsläufig gesagt, dass die jeweiligen Musiker überhaupt schon soviel und gleichwertige Musik produziert haben. Zudem wäre es dem kleinen Label auch nicht möglich soviel Musik in kurzer Zeit zu veröffentlichen. Dem entsprechend müssen sie die Aufmerksamkeit auf ihr Label und die einzelnen Releases auch immer wieder neu herstellen. Das kostet viel Kraft, an dem sicherlich die meisten kleinen Labels letztlich scheitern.
Umso besser im vergangenen Juni das Tape von Leise im Kran veröffentlicht wurde. Es fügt, mit dessen Acid Sound, dem Klang des Labels eine weitere Nuance hinzu.
Bedauerlich ist, dass das Label nicht selber mehr aktiv ist musizierende Frauen zu supporten und zu veröffentlichen. Dies kann man durchaus als exemplarisch für die Musiklandschaft als auch die Gesellschaft allgemein betrachten. Aber man wünscht es sich doch immer auch anders von den kleinen Labels, die für sich in Anspruch nehmen alles ein bisschen neben der Spur und experimentell zu gestalten. So bleibt es bei MimiCof als einzige Künstlerin im Roster des Labels.
Alles in allem darf man aber durchaus gespannt sein wie sich das Label und die MusikerInnen um das Label herum entwickeln. Es ist nicht ganz ausgeschlossen, dass sich die eine oder andere Frucht zu einem neuen Säulenheiligen entwickelt.